Adventskalender 1. Dezember 2007

Adventskalender 1. Dezember 2007

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Hilde Fürstenberg

Advent

 

Im Tale sind die Blumen nun verblüht
Und auf den Bergen liegt der erste Schnee.
Des Sommers Licht und Wärme sind verglüht,
In Eis verwandelt ist der blaue See.
Wie würde mir mein Herz in Einsamkeit
Und in des Winters Kälte angstvoll gehen,
Könnt ich in aller tiefen Dunkelheit
Nicht doch ein Licht in diesen Tagen seh’n.
Es leuchtet fern und sanft aus einem Land,
Das einstens voll von solchen Lichtern war,
Da ging ich fröhlich an der Mutter Hand
Und trug in Zöpfen noch mein braunes Haar.
Verändert hat die Welt sich hundertmal
In Auf und Ab – doch sieh, mein Lichtlein brennt!
Durch aller Jahre Mühen, Freud und Qual
Leuchtet es hell und schön:
Es ist Advent!

 



Schneemann

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Hans Christian Andersen

Der Schneemann

Eine so wunderbare Kälte ist es, dass mir der ganze Körper knackt!” sagte der Schneemann.
“Der Wind kann einem freilich Leben einheizen. Und wie die Glühende dort glotzt!”
Er meinte die Sonne, die eben untergehen wollte.
“Sie soll mich nicht zum Blinzeln bringen, ich werde die Stücke schon festhalten.”Er hatte nämlich statt der Augen zwei große dreieckige Dachziegelstücke im Kopf;
sein Mund bestand aus einem alten Rechen, deshalb hatte er auch Zähne.
Geboren war er unter den Jubelrufen der Knaben, begrüßt vom Schellengeläut der Schlitten.
Die Sonne ging unter, der Vollmond ging auf, rund und groß, klar und schön in der blauen Luft.
“Da ist sie wieder von einer anderen Seite!” sagte der Schneemann.
Damit wollte er sagen: Die Sonne zeigt sich wieder. “Ich habe ihr doch das Glotzen abgewöhnt!
Mag sie jetzt dort hängen und leuchten, damit ich mich selbst sehen kann.
Wüsste ich nur, wie man es macht, um von der Stelle zu kommen!
Ich möchte mich gar zu gern bewegen!
Wenn ich es könnte, würde ich jetzt dort unten auf dem Eis hingleiten,
wie ich die Knaben gleiten sehe; aber ich weiß nichts vom Laufen.”“Weg! Weg!” bellte der alte Kettenhund, er war etwas heiser geworden.
Die Heiserkeit hatte er sich geholt, als er noch Stubenhund war und unter dem Ofen lag.
“Die Sonne wird dich schon laufen lehren!
Das habe ich vorigen Winter an deinem Vorgänger gesehen. Weg, weg und weg sind sie alle!”
“Ich verstehe dich nicht, Kamerad”, sagte der Schneemann.
“Die dort oben soll mich laufen lehren?” Er meinte den Mond.
“Ja, freilich lief sie vorhin, als ich sie fest ansah, nun schleicht sie von einer anderen Seite heran.”
“Du weißt gar nichts!” entgegnete der Kettenhund,
“Du bist aber auch erst aufgebaut worden.
Der, den du da siehst, ist der Mond; die, welche da fortging, war die Sonne.
Sie kommt morgen wieder, sie wird dich schon lehren, in den Wallgraben hinabzulaufen.
Wir kriegen bald anderes Wetter;
ich fühle das schon in meinem linken Hinterbein, es reißt und schmerzt.
Das Wetter wird sich ändern!”
“Ich verstehe ihn nicht”, sagte der Schneemann, “
aber ich habe es im Gefühl, dass es Unangenehmes ist, das er spricht.
Sie, die so glotzte und sich dann davonmachte, die Sonne, wie er sie nennt,
ist auch nicht meine Freundin – das habe ich im Gefühl!”
“Weg! Weg” bellte der Kettenhund, ging dreimal um sich selbst herum und kroch dann in seine Hütte,
um zu schlafen.

Das Wetter änderte sich wirklich. Gegen Morgen lag ein dicker feuchter Nebel über der ganzen Gegend;
später kam der eisige Wind; Das Frostwetter packte einen recht; aber als die Sonne aufging, herrschte große Pracht!
Bäume und Gebüsch waren mit Reif überzogen, sie glichen einem Wald von Korallen,
alle Zweige schienen mit strahlend- weißen Blüten übersät. Die vielen und
feinen Verzweigungen, die während der Sommerzeit der Blätterreichtum verbirgt, kommen jetzt alle zum Vorschein.
Es war wie ein Spitzengewebe, leuchtend weiß; aus jedem Zweig strömte ein weißer Glanz.
Die Hängebirke bewegte sich im Wind; sie war voll Leben wie alle Bäume im Sommer: Es war wunderschön!
Und als die Sonne schien, nein, wie flimmerte und funkelte das Ganze, als läge Diamantenstaub auf allem
und als flimmerten über den Schneeteppich des Erdbodens die großen Diamanten,
oder man konnte sich auch vorstellen, dass unzählige kleine Lichter leuchteten,
weißer als der weiße Schnee.
Blinkstern
“Das ist wunderbar!” sagte ein junges Mädchen, das mit einem jungen Mann in den Garten trat.
Beide blieben in der Nähe des Schneemanns stehen
und betrachteten von hier aus die flimmernden Bäume.
“Einen schöneren Anblick gewährt der Sommer nicht!” sagte sie, und ihre Augen strahlten.
“Und so einen Kerl, wie diesen hier, hat man im Sommer erst recht nicht”,
erwiderte der junge Mann und zeigte auf den Schneemann: “Er ist ausgezeichnet!”
Das junge Mädchen lachte, nickte dem Schneemann zu
und tanzte darauf mit ihrem Freund über den Schnee dahin, der unter ihren Schritten knirschte,
als gingen sie auf Stärkemehl.

“Wer waren die beiden?” fragte der Schneemann den Kettenhund,
“du bist längere Zeit hier im Hofe als ich, kennst du sie?”
“Und ob ich sie kenne!” antwortete der Kettenhund.
“Sie hat mich gestreichelt, und er hat mir einen Fleischknochen zugeworfen. Die beiden beiße ich nicht!”
“Aber was stellen sie vor?” fragte der Schneemann.
“Liebesleute!” gab der Kettenhund zur Antwort.
“Sie werden in eine Hütte ziehen und zusammen am Knochen nagen. Weg! Weg!”
“Sind denn die beiden ebensolche Wesen wie du und ich?” fragte der Schneemann.
“Sie gehören ja zur Herrschaft!” versetzte der Kettenhund.
“Freilich weiß man sehr wenig, wenn man den Tag zuvor erst zur Welt gekommen ist.
Ich merke es an dir! Ich habe das Alter und die Kenntnisse. Ich kenne alle hier im Haus,
und auch eine Zeit habe ich gekannt, wo ich nicht hier in der Kälte an der Kette lag. Weg! Weg!”
“Die Kälte ist herrlich”, sprach der Schneemann. “Erzähle, erzähle! Aber du darfst nicht mit der Kette lärmen;
es knackt in mir, wenn du das tust.”

“Weg! Weg!” bellte der Kettenhund.
“Ein kleines Hündchen bin ich gewesen, klein und niedlich, sagten sie;
damals lag ich in einem mit Samt überzogenen Stuhl dort oben im Herrenhaus im Schoße der obersten Herrschaft;
sie küssten mir die Schnauze und wischten mit die Pfoten mit einem gestickten Taschentuch ab;
ich hieß Ami, lieber, süßr Ami!
Aber später wurde ich ihnen dort oben zu groß und sie schenkten mich der Haushälterin.
Ich kam in die Kellerwohnung! Du kannst hinein- sehen von dort aus, wo du stehst,
du kannst in die Kammer hinabsehen, wo ich Herrschaft gewesen bin, denn das war ich bei der Haushälterin.
Es war zwar ein geringerer Ort als oben, aber er war gemütlicher,
ich wurde nicht in einem fort von Kindern angefasst und gezerrt wie oben.
Ich bekam ebenso gutes Futter wie früher, ja viel besseres noch!
Ich hatte mein eigenes Kissen, und ein Ofen war auch da, der ist um diese Zeit das Schönste von der Welt!
Ich kroch unter den Ofen, worunter ich mich ganz verstecken konnte.
Ach, von dem Ofen träumt mir noch. Weg! Weg!”

“Sieht denn ein Ofen so schön aus?” fragte der Schneemann. “Hat er Ähnlichkeit mit mir?”
“Der ist gerade das Gegenteil von dir! Raben- schwarz ist er,
hat einen langen Hals mit Messingtrommel.
Er frisst Brennholz, dass ihm das Feuer aus dem Munde sprüht.
Man muss sich an der Seite von ihm halten, ganz nahe oder unter ihm ist es sehr angenehm.
Durch das Fenster wirst du ihn sehen können, von dort aus, wo du stehst.”

Und der Schneemann schaute danach und gewahrte einen blankpolierten Gegenstand mit Messingtrommel;
das Feuer leuchtete von untern her. Dem Schneemann wurde ganz wunderlich zumute,
und es überkam ihn ein Gefühl, worüber er sich keine Rechenschaft ablegen konnte,
aber alle Menschen, wenn sie nicht Schneemänner sind, kennen es.

“Warum verließest du sie?” fragte der Schneemann.
Er hatte es im Gefühl, dass es ein weibliches Wesen sein musste.
“Wie konntest du nur einen solchen Ort verlassen?”

“Ich musste wohl!” sagte der Kettenhund.
“Man warf mich zur Tür hinaus und legte mich hier an die Kette.
Ich hatte den jüngsten Junker ins Bein gebissen, weil er mir den Knochen wegstieß,
an dem ich nagte; Knochen um Knochen, so denke ich!
Das nahm man mir aber sehr übel, und von dieser Zeit an bin ich an die Kette gelegt
und habe meine Stimme verloren, hörst du nicht, dass ich heiser bin:
Weg! Weg! Das war das Ende vom Lied!”

Der Schneemann hörte ihm aber nicht mehr zu; er sah immerfort in die Kellerwohnung der Haushälterin,
in ihre Stube hinein, wo der Ofen auf seinen vier eisernen Beinen stand
und sich in derselben Größe zeigte wie der Schneemann.

“Wie knackt das sonderbar in mir!” sagte er. “Werde ich nie dort hineinkommen?
Es ist doch ein unschuldiger Wunsch, und unsere unschuldigen Wünsche werden gewiss in Erfüllung gehen.
Ich muss dort hinein! Ich muss mich Erfüllung gehen. Ich muss dort hinein!

“Dort hinein wirst du nie gelangen”, sagte der Kettenhund,
“und kommst du an den Ofen hin, so vergehst du. Weg! Weg!”
“Ich bin schon so gut wie weg!” erwiderte der Schneemann, “ich breche zusammen, glaube ich.”

Den ganzen Tag guckte der Schneemann durch das Fenster hinein;
in der Dämmerung wurde die Stube noch einladender; vom Ofen her leuchtete es mild,
nicht wie der Mond und nicht wie die Sonne, mein,
wie nur der Ofen leuchten kann, wenn er etwas zu verspeisen hat. Wenn die Stubentür aufging,
schlug die Flamme heraus – diese Gewohnheit hatte der Ofen;
es flammte deutlich rot auf um das weiße Gescicht des Schneemannes,
es leuchtet rot über seine ganze Brust.

“Ich halte es nicht mehr aus!” sagte er.
“Wie schön es ihm steht, die Zunge so herauszustrecken!”

Die Nacht war lang, aber nicht für den Schneemann, er stand da in seine eigenen schönen Gedanken vertieft,
und die froren, dass es knackte.
Am Morgen waren die Fensterscheiben der Kellerwohnung mit den schönsten Eisblumen bedeckt,
die nur ein Schneemann verlangen könnte, aber sie verbargen den Ofen.
Die Fensterscheiben wollten nicht auftauen; er konnte den Ofen nicht sehen,
den er sich als ein so liebliches weibliches Wesen dachte. Es knackte und knirschte in ihm und um ihn her;
es war gerade so ein Frostwetter, an dem ein Schneemann seine Freude haben muss.
Er aber freute sich nicht – wie hätte er sich auch glücklich fühlen können, denn er hatte Ofensehnsucht.

“Das ist eine schlimme Krankheit für einen Schneemann”, sagte der Kettenhund,
“ich habe auch an der Krankheit gelitten, aber ich habe sie überstanden.
Weg! Weg!” bellte er. – “Wir werden anderes Wetter bekommen!” fügte er hinzu.

Das Wetter änderte sich, es wurde Tauwetter. Das Tauwetter nahm zu, der Schneemann nahm ab.
Er sagte nichts, er klagte nicht, und das ist das richtige Zeichen.
Eines Morgens brach er zusammen. Und siehe, es ragte etwas wie ein Besenstiel empor,
wo er gestanden hatte; um den Stiel herum hatten die Knaben ihn aufgebaut.

“Ja, jetzt begreife ich es, jetzt verstehe ich es, dass er die große Sehnsucht hatte”,
sagte der Kettenhund.
“Da ist ja ein Eisen zum Ofenreinigen an dem Stiel –
der Schneemann hat einen Ofenkratzer im Leib gehabt!
Das ist es, was sich in ihm geregt hat; jetzt ist das überstanden: Weg! Weg!”
Und bald darauf war auch der Winter überstanden. “
Weg! Weg!” bellte der Kettenhund; aber die Mädchen aus dem Hause sangen:
“Waldmeister grün! Hervor aus dem Haus! Weide die wollenen Handschuhe aus!
Lerche und Kuckuck, singt fröhlich drein! Frühling mit Februar wird es sein!
Ich singe mit: Kuckuck!
Quivit! Komm, liebe Sonne, komm oft – quivit!”

Und dann denkt niemand mehr an den Schneemann.



Christstollen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

angeschnittener Christstollen

 

angeschnittener Christstollen

Der Christstollen oder die Stolle ist ein bekanntes Weihnachts- und Gebildegebäck. Die Form und das Aussehen des Gebäcks sollen an das gewickelte Christkind erinnern. Dazu wird nach dem Backen das Gebäck mit Puderzucker bedeckt.

Stollen sind Gebäcke aus schwerem Hefeteig. Sie enthalten mindestens 3 kg Butter oder Margarine sowie 6 kg Trockenfrüchte – ausschließlich Rosinen, Sultaninen oder Korinthen – sowie Zitronat und Orangeat, bezogen auf 10 kg Mehl.

Inhaltsverzeichnis


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Geschichte

Der handwerkliche Christstollen ist das Weihnachts-Gebäck mit der wohl längsten Tradition in Deutschland. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte „anno 1329“ in Naumburg (Saale) an der Saale, als Weihnachtsgabe für den Bischof. Damals waren Stollen sehr magere Backwerke für das katholische Adventsfasten. Die bis heute unveränderte Form stellt ein Gebildebrot dar, welches an das in Windeln liegende Jesuskind erinnern soll. Dies erklärt auch die weiße Zuckerschicht außen. „Die traditionelle Form ist bis heute unverändert“.

Katholischen Dogmen erlaubten in der Fastenzeit seinerzeit weder Butter noch Milch. Stollenteige durften nur aus Wasser, Hafer und Rübenöl geknetet werden. Der entsprechend tranige Geschmack sorgte beim Adel zunehmend für Unmut, und so wandten sich Kurfürst Ernst von Sachsen und sein Bruder Herzog Albrecht im Jahr 1430 an Papst Nikolaus V. mit der Bitte, das Butterverbot für den Stollen aufzuheben. Der Heilige Vater lehnte dies ab. Erst Papst Innozenz VIII. schickte 1491 ein als „Butterbrief“ bekanntes Schreiben, das Butter statt Öl erlaubte. Der „Butterbrief“ war an die Bedingung geknüpft, Buße zu zahlen, die unter anderem zum Bau des Freiberger Doms verwendet wurde. Der Butterbrief galt nur für das Herrscherhaus und dessen Lieferanten, wurde wohl aber bald großzügig ausgelegt. „Man kann also mit Recht sagen, dass ein Papst am heutigen Stollenrezept mitgewirkt hat.“

Nach der Überlieferung war es die Idee des Hofbäckers Heinrich Drasdo in Torgau (Sachsen), den vorweihnachtlichen Fastenstollen zum Weihnachtsfest mit reichhaltigen Zutaten wie z.B. Früchten zu ergänzen. Er schuf aus dem mageren Fastengebäck erstmals das reichhaltige Festgebäck, das wir heute kennen und schätzen. Der „Drasdoer Stollen“ war seinerzeit in ganz Sachsen und darüber hinaus berühmt.

In Dresden werden Christstollen erst 150 Jahre nach Naumburg erwähnt. „Anno 1474“ erscheint der Begriff „Christbrod“ auf einer Rechnung an den Dresdner Hof. Die in Dresden ortsübliche Bezeichnung für den Stollen war damals „Striezel“. Der Dresdner Striezelmarkt, ältester Weihnachtsmarkt Deutschlands, verdankt diesem traditionsreichen Gebäck seinen Namen. Seit 1500 wurden in Dresden „Christbrod uff Weihnachten“ verkauft. Ab 1560 übergaben die Sächsischen Bäcker ihrem kurfürstlichem Landesherrn alljährlich zum heiligen Fest zwei Weihnachtsstollen von 1,50 Meter Länge und 36 Pfund Gewicht. Acht Meister und acht Gesellen trugen sie zum Schloss. Im Jahre 1730 ließ August der Starke einen Riesenstollen von 1,8 Tonnen backen, der in 24.000 Portionen aufgeteilt wurde. An dieses Ereignis knüpft das jährlich am Sonnabend vor dem 2. Advent in Dresden stattfindende Stollenfest auf dem Striezelmarkt an. Belegt ist, dass die Bäcker aus den Städten Siebenlehn und Meißen seinerzeit sehr bekannt für ihre Stollen waren. Siebenlehner Bäcker brachten „fuderweise“ Stollen nach Dresden, sehr zum Unmut der dortigen Bäckerzunft. Erst nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (siehe Dreißigjähriger Krieg) im Jahr 1648 konnten sich die Dresdner Bäcker das Privileg erkämpfen, nur noch eigene Stollen auf dem Striezelmarkt zu verkaufen.

Nachdem der Name „Dresdner Stollen“ von allen Bäckern frei verwendet werden konnte und dies auch üblich war, wurde der Stollen Bestandteil der Einigungsgespräche zwischen der Bundesrepublik und der DDR. In der Folge wurde „Dresdner Stollen“ nach der Wiedervereinigung Deutschlands als geographische Herkunftsangabe und danach auch als eingetragene Marke geschützt. Die Bezeichnung „Dresdner Stollen“ darf seit 1997 nur für im Raum Dresden gebackene Stollen verwendet werden. Über die Bezeichnung „Original“ Dresdner Stollen wacht der „Schutzverband Dresdner Stollen“, der die Interessen von etwa 150 Bäckern und Konditoren im Dresdner Raum vertritt. Doch nach wie vor werden auch in anderen Regionen Deutschlands erfolgreich Stollen gebacken und verkauft, unter den verschiedensten Namen. So z.B. im Erzgebirge („Erzgebirgischer Stollen“), in Bremen („Bremer Klaben“), in Westfalen („Münsterländer Stollen“), in Erfurt („Schittchen“), in München („Münchner Kindl Stollen“), in der Eifel (Marke „Stollenbäcker“) und im Kölner Raum („Kölner Stollen“). Der größte Stollenhersteller (Kuchenmeister) hat sein Werk in Soest (Westfalen).

Christstollenarten

Mandelstollen

Mandelstollen enthalten mindestens 20 kg Mandeln auf 100 kg Getreideerzeugnisse oder Stärken. Trockenfrüchte, auch Zitronat und Orangeat können zugesetzt werden. Eine Zugabe von Persipan ist nicht üblich.

Butterstollen

Butterstollen enthalten mindestens 40 kg Butter oder die entsprechenden Mengen Butterreinfett oder Butterfett sowie mindestens 70 kg Trockenfrüchte, auch Zitronat und Orangeat, auf 100 kg Getreideerzeugnisse oder Stärken. Bis 10 kg Trockenfrüchte können durch Mandeln oder eine entsprechende Menge Marzipanrohmasse ersetzt werden. Eine Zugabe von Persipan ist nicht üblich.

Marzipan-/Persipanstollen

Marzipan- oder Persipanstollen enthält zu einer Füllung verarbeitete Marzipan- bzw. Persipanrohmasse. Deren Anteil muss mindestens fünf Prozent des Stollenteiggewichts betragen.

Mohnstollen

Mohnstollen enthalten mindestens 20 kg Mohn mit handelsüblichem Feuchtigkeitsgehalt auf 100 kg Getreideerzeugnisse oder Stärken. Üblicherweise wird der Mohn zu einer Füllung verarbeitet. Trockenfrüchte, auch Zitronat und Orangeat, können zugegeben werden.

Nuss-Stollen

Nuss-Stollen enthalten mindestens 20 kg Nusskerne (üblicherweise zu einer Füllung verarbeitet), auch zerkleinert, auf 100 kg Getreideerzeugnisse oder Stärke.

Dresdner Stollen

 

Das EU-Siegel geschützte geografische Angabe gemäß Verordnung (EWG) Nr. 2037/93 der Europäischen Kommission

 

Das EU-Siegel geschützte geografische Angabe gemäß Verordnung (EWG) Nr. 2037/93 der Europäischen Kommission

Der Dresdner Stollen gehört zu den Klassiker. Auf Betreiben des „Schutzverbandes Dresdner Stollen“ und eines Urteils des Kammergerichts Berlin vom 26. März 1996 sind Dresdner Stollen jetzt als geografische Herkunftsangabe geschützt und als solche auch beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen. Durch einen ausdrücklichen Verzicht des Bundesgerichtshofs vom 17. April 1997 auf eine Revision gegen diese Entscheidung dürfen „Dresdner Stollen“ nunmehr ausschließlich von Backwarenherstellern in Dresden oder der näheren Umgebung in Verkehr gebracht werden. Man unterscheidet nach den Details der Zutaten „Echter Dresdner Stollen“, „Echter Dresdner Christstollen“ und „Original Dresdner Christstollen®“.

Dresdner Stollen enthalten mindestens 3 kg praktisch wasserfreier Fette, davon mindestens 50% Milchfett auf je 10 kg Mehl oder Stärken. Es werden mindestens 7 kg Trockenfrüchte, bevorzugt Rosinen, auch Zitronat und Orangeat, und mindestens 1 kg Mandeln zugefügt. Eine Zugabe von Persipan ist nicht üblich.

Nach einem über 100 Jahre alten Rezept enthält der Dresdner Stollen bei 3 Pfund Mehl:

  • 300 g Zucker,
  • Pfund Butter,
  • ¼ Pfund Rindertalg(heute besser Schmalz),
  • 1½ Pfund Rosinen, in Rum eingeweicht,
  • ¾ Pfund Zitronat,
  • ¾ Pfund Mandeln,
  • 110 g Hefe,
  • 1 Prise Salz,
  • abgeriebene Zitronenschale,
  • ca. ¼ l Milch.

Nach dem Backen muss der Stollen mindestens 3 Wochen kühl lagern, ehe er den feuchten und festen Zustand erhält und schmeckt. Ein echter Dresdner Stollen enthält nie Marzipan. Er hielt sich entsprechend aufbewahrt (außerhalb von Kühltruhen, in feuchten Gewölben/Kellern) traditionell oft bis Ostern.

Quarkstollen

Quarkstollen enthalten mindestens 40 kg Speisequark (Frischkäse) oder die entsprechende Menge Quarktrockenprodukte und mindestens 20 kg Butter oder die entsprechende Menge Milchfetterzeugnisse oder Margarine oder entsprechende Mengen praktisch wasserfreier Fette auf 100 kg Getreideerzeugnisse oder Stärken. Trockenfrüchte, auch Zitronat und Orangeat, können zugesetzt werden.

Schittchen

Die Bezeichnung „Schittchen“, so wird der Christstollen in Erfurt und Umgebung genannt, kommt vermutlich durch den „Scheid“ – der Längsschnitt auf dem Gebäck, ähnlich wie beim Brot und Brötchen – aber genaueres ist nicht mit überliefert. Der Ursprung des Schittchens ist der guten Verbindung der Thüringer mit den „großen Brüdern“ in Dresden zu verdanken.

Ein „Schittchen“ beinhaltet 2,5 kg Weizenmehl, 300 g Hefe, ¾ l Milch, 200 g Zucker, 4 Päckchen Vanillinzucker, abgeriebene Schale von 1–2 Zitronen, 35 g Salz, 100 bis 200 g Schweinefett, 1 kg Butterschmalz, 200 g Zitronat, 100 g Orangeat, 80 g bittere Mandeln oder einfach eine entsprechende Menge Bittermandelaroma, 400 g süße Mandeln gehackt und gemahlen, 1 ½ kg Sultaninen, 250 g Korinthen, Rum oder Weinbrand, Butter, Zucker, Puderzucker.

Sonstige Stollensorten

Das deutsche Bäckerhandwerk ist sehr kreativ. Daher werden laufend neue Stollensorten geschaffen, um neue Zielgruppen zu erschließen. So bieten viele Bäckereien inzwischen auch Christstollen ohne kandierte Früchte (Zitronat, Orangeat, Rosinen) an, da viele Menschen diese Zutaten ablehnen. Alternative Zutaten sind dann z.B. Schokostückchen im Teig. Diese Backwerke werden zumeist als “Schokostollen” oder – in kleinerer Stückgröße – als “Kinderstollen” verkauft. Während Stollen in der Regel mit hochprozentigem Alkohol wie Rum oder Kirschwasser gebacken werden, bietet eine Stollenbäckerei in der Eifel Winzern an, einen speziellen Stollen mit deren eigenen Wein zu backen, der vom Winzer als “Winzerstollen” verkauft oder verschenkt werden kann. Die Bäckerinnung München hat für ihre Mitgliedsbetriebe einen “Münchner Kindl Stollen” entwickeln lassen, der Macadamia-Nüsse im Rezept vorsieht. Aktuelle Stollentrends im Bäckerhandwerk sind auch Christstollen mit Ingwer, mit getrockneten Aprikosen oder mit Cranberries.

Sonstiges

In der Literatur taucht ein Stollenrezept im Roman Zwischen Brücke und Strom der Dresdner Autorin Helene Louise Pause auf.

Weblinks

Wiktionary

Wiktionary: Christstollen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Christstollen

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  • Diese Seite wurde zuletzt am 28. Oktober 2007 um 09:14 Uhr geändert.
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Bibliografische Angaben für „Christstollen

 

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